Freitag, 4. August 2017

Auf und Ab in Odessa

Das Bier ist hier so gut, dass ich außer zum Frühstück immer eins trinke. Die Wald- und Bergläufe hingegen müssen leider ausfallen.

Das Hotel ist heute im Ausnahmezustand. Nach dem Frühstück sah ich jemand zur Rezeption stürzen mit der Nachricht, die Steinmetze seien jetzt vor dem Hotel angekommen und der Eingang daher gesperrt. Bestürzt mussten nun alle Angestellte den Hof und die Ausfahrt zur Hintertür räumen. Ich sah sie Kisten und Reifen wegschleppen, Tonnen verschieben, eine Eisvitrine verrammeln, Gartenwerkzeug verräumen und Blumenkisteln stapeln und Wegweiser aufstellen. Während des Tages traten die Gäste dann durch die Hintertür und stiegen über die verlegten Messdrähte, ohne sie für Mienendrähte zu halten.
Als ich nun am Abend mit meinem Laptop in der Aula saß, wo die Verbindung am besten ist - im Zimmer ist zwischen den Moldawiern ja kein Platz mehr, es ist noch einer aus Charkiv dazugekommen - beobachtete ich zuerst eine raumfüllende Familienunterhaltung auf der Brücke oberhalb der Aula, bei der drei oder vier Personen permanent aufeinander einredeten, und dann eine bis zu einstündige Auseinandersetzung vor der Rezeption, hinter der ich heute die junge blonde Rezeptionistin wusste, die wie sechzehn aussieht, doch immerhin stand der fast zwei Meter große Hausdiener dabei, sonst wäre ich vielleicht hingegangen. Ich verstand natürlich kein Wort dieser Auseinandersetzung, aber ihre Energie brachte meinen Laptop zum Erzittern. Einer der Männer, der schlankste unter den vieren, stand dort in der Unterhose, und es könnte sein, dass er der lauteste gewesen ist, auf alle Fälle nicht der eiligste, denn als sich nach Stunden der Streit schon aufgelöst hatte, kam er noch einige Male schwatzend herunter und wurde immer wieder von seiner Frau geholt. Es ist mir nicht verborgen geblieben, dass er dabei jedes Mal einen Blick in den großen Standspiegel geworfen hat wie fast alle, die die großen Treppen herabsteigen.
Als die Aufregung vorbei war und die Quartiere meiner nächsten Reiseziele geregelt, trat ich an die Rezeption und drückte der armen jungen Frau mein tief empfundenes Mitgefühl aus. Vorgestern hatte sie mich ermahnt, weil ich die Füße auf der Couch hatte, heute hatte sie einen nackten Mann am Pult stehen. Ich ging nach der Aufregung an diesem sehr warmen Abend noch auf ein Bier hinaus, und ich hatte den Eindruck, sie wäre gern mitgekommen.

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