Donnerstag, 17. August 2017

Was ist los im Donbass?

1A. Medienberichte, westliche Wahrnehmung:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/krieg-im-donbass-der-zweite-krieg-der-alten-leute-13414143.html
http://uacrisis.org/de/53825-donbas-v-ogni
https://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_in_der_Ukraine_seit_2014

1B. Raketen für Nordkorea?
http://derstandard.at/2000062664242/Ukraine-soll-Nordkorea-Raketenmotoren-geliefert-haben
https://www.nytimes.com/2017/08/14/world/asia/north-korea-missiles-ukraine-factory.html?ref=todayspaper&_r=0

2. Medienberichte der russischen Propaganda:
https://www.youtube.com/watch?v=y3lp38JfKWY
https://propagandaschau.wordpress.com/2017/08/12/nordkoreas-atomraketen-stammen-aus-russland-ard-verbreitet-erneut-luegen/
https://propagandaschau.wordpress.com/2017/08/14/kurz-notiert-luegen-ueber-russische-raketen-in-nordkorea-widerlegt/comment-page-1/

3. Bogdan, Dnipro, Mitte 20, Wirtschaftsstudium abgeschlossen, Praxis in Deutschland:
• Grund für den Krieg ist ökonomischer Zusammenbruch des Donbass. Stahlwerke sind längst ineffizient, in Ukraine wurde nie modernisiert.
• In Russland ganz gleich, also kein Grund für Flucht dorthin.
• Krieg erzeugt Illusion einer Zukunft: einmal wird es besser werden.

4. Dmitri, Poltava, Rechtsanwalt, Anfang 30:
• Ja, Uk liefert Raketen an Nk
• beide Seiten haben Interesse an instabilem Zustand im Donbass, weil er von inneren Problemen ablenkt

5. Jura, Kiev, Unternehmer und Entwickler von Digitaltechnik, 60:
• Maidan lässt sich nicht stoppen
• wird auch russ. Separatisten bezwingen
• Nein, Uk liefert Raketen an USA für Weltraumprogramm. Nk wäre zu gefährlich und würde Freunde verprellen

6. Alexandr, Kiev, Wirtschaftsprofessor, ca.60:
• wahre Gründe liegen in ökonomischen Interessen
• Raketenlieferung durch Uk ist russ. Propaganda
• Maidan ist ukrainische Propaganda. Die Regierung hatte sich festgerannt, mit dem Schlägertrupp aus den westukrainischen Wäldern wurde von der Nomenklatura am Maidan ein Übergang inszeniert.
• Krieg im Donbass erzeugt Normalität in der Ostukraine und fördert die Waffenproduktion
• Raketenlieferungen können auch ohne Initiative der Regierung erfolgen bzw. über Mittelsmänner. Für Russland würde das nicht gelten, wenn russische Arsenale dahinterstehen, dann nicht ohne Wissen Putins.

7. Julia, Fotoreporterin, Mitte 30, Kiev:
Niemand weiß, was im Donbass ist. Nicht einmal die Bewohner. Auch nicht die Soldaten, wenn sie hinfahren, oder wenn sie zurückkommen. Etwas passiert, und niemand weiß was. Vielleicht gar nichts.

Golden Gate of Kiev

Bitte die Kopfhörer einstecken und den Computer kippen!
Wer dieses Stück nicht kennt, wird gar nicht in diese Stadt hereingelassen....

https://www.youtube.com/watch?v=9cZ4D5dWkyE


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Mittwoch, 16. August 2017

Verhängt und verstellt

Ich schlich mich an die Maria Entschlafungskathedrale, vor der gerade der Besucherstrom abgerissen, der Bagger zur Seite gefahren und die Sonne eine günstige Position eingenommen hatte, und zückte meinen startbereiten Fotoapparat. Da erschien mit dumpfem Dieselgrollen ein riesiger schwarzer PKW und fuhr genau in die Lücke zwischen Glockenturm und Kathedrale hinein. Die Türen öffneten sich, und völlig unbeschwert traten zwei gut gekleidete Männer heraus und sprachen ernst mit unsichtbaren Personen, die sie anscheinend vor sich sahen. Sie vergaßen nicht, abzusperren, und schritten auf das vornehme Restaurant zu, das einen eigenen Parkplatz gehabt hätte.

Die Fahrzeuge können auch zuweilen weiß sein, mitunter chauffiert von einer blonden, gut manikürten Dame mit Kurzhaarschnitt und Spiegelbrillen, mal haben sie verdunkelte Scheiben, mal keine Kennzeichen. Aber stets halten sie genau in den entscheidenden Sichtachsen der Städte, sei es auf der Fahrbahn, sei es am Gehsteig oder vor einer Einfahrt. Es kann kein Zweifel bestehen, dass die Bonzen und Bosse das seit Jahrhunderten im Blut haben. Mit demselben Gespür für Zusammenhänge haben ihre Väter die Betonbrücke über die Klosterinsel hinweg gebaut oder den Glaspalast neben den Maidan gestellt, sodass dahinter die Michaelskirche verschwindet und allerhöchstens noch die Goldspitzen der inzwischen wieder auferstandenen Heiligtümer in das Stadtzentrum hereinragen. Dass der ganze Maidan alle fünf Meter mit einem Brunnen, einer Glaskuppel, einem Denkmal auf einem Sockel mit Steinbrüstung oder einem Stiegenabgang zur Metro aufgelockert ist, hat ja außer der Bildästhetik vermutlich auch Gründe in der erneuerten Wertschätzung freier Plätze bei der ukrainischen Regierung.

Aber auch vor Theaterbauten und klassizistische Bibliotheken werden im richtigen Abstand Kioske und Bushaltestellen, Imbissbuden und Parklandschaften gestellt, oder zumindest wie auf der Pronzna-Straße, die bergab von repräsentativen Gebäuden gesäumt auf ein Hochhaus im klassizistischen Stil zuläuft und ganzjährig die Behängung der Weihnachtsbeleuchtung durch die Luft spannt. Bei aufmerksamer Betrachtung wird man bemerken, dass es kaum eine Ansicht der Ukraine gibt, auf der nicht Straßenlaternen, Fahrdrähte oder wenigstens Plakatständer zu sehen sind.

Der letzte Beweis für diese nationale Identität aber wird von den Museumspädagogen erbracht. Denn abgesehen von den Glasvitrinen, die immer die Leuchtspots von gegenüber spiegeln, ist jedes größere Objekt von zumindest einem dicken Seil umgeben, besser noch sind andere Objekte davorgestellt wie zum Beispiel beschnitzte Tram vom Dachgerüst eines barocken Hauses neben einem riesigen schwarzen Einbaum, der den ganzen Saal ausfüllt und zumindest aus der Kosakenzeit stammen muss, wenn nicht gar aus der Steinzeit, wie das Steinwerkzeug in der benachbarten Vitrine nahelegt. Die Heimatmuseen stehen in jeder Stadt und erfüllen wichtige patriotische Aufgaben, und gern dürfen Besucher darin fotografieren, sobald sie eine Genehmigung dafür erworben haben.

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Montag, 14. August 2017

Splitter

Rote Augäpfel kratzen in den Augenhöhlen, seit der Türke in meinem Zimmer, nachdem ich eingeschlafen war, die Fester geschlossen und die Klimaanlage angestellt hat. Nie wieder geh ich vor den anderen schlafen.


Die Saunatherapie zwischen Charkiv und Poltava heilte das eine Auge, das ukrainische Bier das zweite.


Auf den Bahnhofsstiegen ist es etwas kühler als in der Halle, und die Zuganzeige ist ohnehin ausgefallen. Ein Mädchen kommt herunter geschritten und blickt suchend in die Menge. Ich hätte sie für 14 gehalten, aber hier sehen die Jugendlichen jünger aus. Da hat sie ihr Ziel entdeckt und springt nun mit Stelzsprüngen im Zickzack durch die Menge und fällt ihren Eltern um den Hals. Später meine ich sie mit ihrem Freund eng umschlungen in der Nähe stehen.


Mir gegenüber saß eine Frau etwa meines Alters, wie alle Ukrainer nicht begeistert von meinem Dasein. Wir hatten die Schmalsitze entlang des Durchgangs, den kriegen Singles, während Familien in den offenen Kojen kampieren. Die schlanke Frau hatte ein schwarzes Spitzenkleid und bekam immer wieder Besuch von einer kleinen alten Dame mit Bürstenhaarschnitt. Immer wieder blickten sie zu mir her und lachten.
Die Frau saß in Fahrtrichtung, ich dagegen. So hatte ich, wenn ich mich zum Tischchen wendete, die Notbremse im Rücken, und wenn ich mich zum Gang wendete, den Haltegriff. Man lernt, so zu sitzen. Auch drei Stunden.
Dann wurde es dunkel, und die Fahrgäste wurden emsig und packten die Leintücher aus den Plastiksäcken. Ich sah alte Frauen behende auf die Liege hinaufklettern und junge ungeschickt heruntertasten. Die Männer schliefen mit angezogenen Beinen in Babystellung. Frauenfüße mit in allen Farben lackierten Nägeln hingen in den Gang hinein aus allen Liegehöhen.
Als mein Gegenüber ihre Schlafstatt herzurichten begann, musste ich meinen Rucksack herunternehmen und klemmte ihn mir zwischen die Beine. Nun stieg sie auf die Sitzflächen und streifte mit dem Saum ihres Kleides meine Oberschenkel. Schließlich war sie so weit und begann das Kunststück, sich hinaufzuarbeiten, ohne ihr Kleid zu lüften. Ihr Gesicht konnte ich nicht sehen.


Wie angekündigt kam ich an der richtigen Adresse an, und als ich auf die beschriftete Tür zuschritt, öffnete sie sich, und ein nettes Wesen nannte meinen Namen und empfing mich. Sie führte mich die Stiegen hinauf und zeigte mir die kleine Wohnung mit Stockbettenzimmer, einer Küche und einem verglasten Balkon. Soetwas habe ich noch nicht erlebt. Hier war Bügel- und Trockenraum, hing eine Holzschaukel vor dem Fenster und lagen Sandsäcke, auf denen ich gerade Serhij Zhadan gelesen und laut gelacht habe. Ich nannte das Wesen mit den winzigsten Pants und den schlanken Schultern Lovely Rita, obwohl sie Christina heißt.

Rita oder Christina arbeitet die halbe Woche hier, erzählt sie mir. Die anderen Tage jobbt sie im Supermarkt. Ein Job ist zuwenig zum Leben. Sie hat eine sechzehnjährige Tochter, die jetzt bei ihrem Vater in Moskau ist. Und sie arbeitet tatsächlich, wie ich das noch in keinem Host gesehen habe. Von Morgen bis Abend putzt und wäscht sie, jetzt um halb zehn bügelt sie Leintücher. Morgen wird sie das mit meinen tun. Sie hat es sehr bedauert, dass ich nur so kurz bleibe.


Ein Blick eines Mädchens im Park. Verzückt, verzaubert, voll Hoffnung und Hingabe. Ich habe soetwas nur in alten Filmen gesehen oder in Hörspielen von Bachmann oder Horwarth gehört. Dort wird der Himmelsblick immer enttäuscht und zerbrochen durch die Erde.


Ich steuere auf eine Parkbank zu, doch drei Jungs überholen mich und knallen sich hin. Ich setze mich dazu und höre ihre Handymusik, ihr Gelächter und atme ihren Zigarettenrauch. Es ist wie bei uns.


Ein kleines Mädchen posiert vor Papas Handykamera, schwingt das Tanzbein und balanciert mit den ausgestreckten Armen. Als Papa genug hat, verzieht sie sich ins Heckenlabyrinth.

Poltava

Ich beginne mal von der Seite, die gerade hier diskutiert wurde. Dass man Gott zu einem Reflex des Menschen erklärt, ist ja zentrale atheistische Doktrin des Kommunismus. Deshalb war das öffentliche Feststehen im Glauben ein Staatsverbrechen, und Millionen von Priestern, Mönchen und Nonnen kamen hinter Gitter, für 10 oder 20 Jahre in den GULAG oder ins Grab.
Beispiele aus Poltava:
Die Maria Entschlafungs-Kathedrale aus dem 18. Jht, gebaut für 10.000 Gläubige, wurde 1934 von den Sowjets zerstört und entweiht. Jetzt wird sie wieder aufgebaut, man kann die Drainagen sehen, den neuen, unpassenden Spiegelmarmorboden und die unvollständige Ikonostase. 2004 wurde die Kirche wieder feierlich eingeweiht.

Noch drastischer das Kreuzerhöhungskloster, das es seit 1650 gibt und das geistiges und kulturelles Zentrum des Landes war mit seiner Bibliothek und seinem Männerseminar. Zu Beginn des 20. Jhts lebten dort 40 Mönche. 1923 schlossen die Bolschewiken das Kloster, zerstörten die Ikonostase und plünderten den Friedhof, dessen Grabsteine sie zum Straßenbau verwendeten. Der NKWD errichtete darin 1930 ein Straflager für Kinder und Jugendliche, erst im Kriegsjahr 1942 durften ins zerstörte Männerkloster Nonnen einziehen. 1960 wurden sie wieder weggeschickt, und man errichtete eine psychiatrische Klinik daran. Doch Krankenschwestern und Nonnen kämpften für die Rückgabe, und seit 1991 feiern sie wieder die göttliche Liturgie dort.

Eine ähnliche Geschichte hat das byzantinische Kloster auf der Klosterinsel, dessen Reste ich in Dnepropetrovsk besucht habe das in 10. Jht errichtet wurde und wo Fürst Vladimir das Christentum für die Kiewer Rus annahm. Die Sowjets bauten eine riesige Eisenbahnbrücke über die Insel hinweg, die erste weltweit gänzlich aus Stahlbeton und heute unter Denkmalschutz.
Aber die Christi Verklärungskirche, von Zarin Katharina und Josef II. gegründet, die größer werden sollte als der Petersdom, wurde 1930 zum atheistischen Museum. Seit 1991 ist sie wieder eine Kirche, ich habe dort eine Liturgie erlebt.

Dass bringt mich auf den Gedanken, selbst ein atheistisches Museum zu errichten in Kärnten, mit allen seinen Spielarten!


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Samstag, 12. August 2017

Was ist mit dem Mond?

Auch auf den Mond ist kein Verlass.
Dottergelb tanzte er zwischen den Wäldern am Horizont
in seiner abnehmenden Phase,
als der Zug auf Charkiv zuschlingerte.
Bahnfahren in der Ukraine ist wie Sauna in Jeans und T-Shirt.
Seitlich neben mir saß ein Mutter-Sohn-Paar.
Die Mutter sah japanisch aus
und hatte Arme, dünn wie Birkenästchen.
Der Sohn war auch dünn und bestimmt zwanzig.
Die beiden sprachen während der ganzen fünf Stunden
konzentriert und aufmerksam miteinander.
(Die eine Stunde, die ich eingedöst bin,
war es gewiss nicht anders.)
Man kann das nicht Unterhaltung nennen.
Das sah aus wie große Fragen stellen,
wie Beichten oder gemeinsam Nachdenken.
Sie sahen sich in die Augen wie Verliebte,
forschend und nachdenklich
und ohne Grinsen.
Ja, man kann der Sprache zusehen.
Damals war der Mond etwa zur Hälfte beleuchtet
und tauchte immer wieder hinter den Hügeln unter.
Ich war im zweiten Saal von
Oksana Sabuschkos
Museum der vergessenen Geheimnisse
und tastete mich durch das Interview
mit Wladislawa Matusewytsch
und den Inhalt einer Damenhandtasche.
Es ging darum, Erinnerungen nachzuverfolgen,
die nachträglich eine besondere Bedeutung erlangen.
Die Lutheraner - das steht nirgendwo bei Sabuschko -
nennen übrigens Kirche eine Erinnerungsgemeinschaft.
Und die orthodoxe Kirche sieht ihr Rückrat
in der unveränderten Treue zum Ursprung.
Als der Zug schließlich in den Bahnhof von Charkiv einrollte
und ich mich von den Mitreisenden verabschiedete,
die am nächsten Morgen in Moskau sein würden
und mich durch den Wagon schob,
der aussah wie ein Krankenhaussaal:
Kinder, Männer und Frauen halbnackt
auf weißen Leintüchern -
da stand der Mond bereits über den
Fabrikschloten und war immer noch
breit und gelb.
Ich hatte die Karte von Charkiv
ungefähr im Kopf
und hätte eine von zwei Straßenbahnlinien nehmen können.
Aber ich wollte mit der Abendluft,
dem Klang und dem Tempo bekannt werden
und nicht wie ein Dieb in die Stadt einfallen.
Im Nachhinein hat mich mein Gedächtnis nicht betrogen.
Wo ich hätte innehalten müssen,
fand ich den Namen der Straße nicht
und ging einfach weiter.
Die Brücke über den Kanal machte mich stutzig.
Ich suchte nach Auskunftspersonen
und fand schließlich einen Deutschen vor dem Mac. Donalds.
Als ich wieder beim Wasser war
und im finsteren Park mit Pärchen und Musik
und bunten Lichtern,
ist die angebliche Brücke immer weiter fortgerückt.
Stattdessen regnete der Himmel Sterne,
und niemand von den Nachtschwärmern hat es bemerkt.
Sie sind herabgeregnet als Segen
für meine Kranken zu Hause.
Für sie habe ich diese Nacht bestanden -
auch wenn ich das erst später begriff.
Aber der Mond hatte die Farbe behalten
und den Umfang noch vergrößert,
sodass er bereits fast wieder voll war.
Schließlich arbeitete ich mich die
Kontorska von der falschen Seite wieder hoch
mit meinem vollen Gepäck
und passierte all die Häuser der Unterstadt am Fluss
in langen Schattenlöchern,
die Höfe und Gärten, Fabriken und Ruinen,
von denen ich bei Serhi Zhadan gelesen habe,
und bald verfolgten mich kläffend und wütend die Hunde,
die in der finsteren Ruine auf mich gewartet haben.
Um Mitternacht stand ich dann vor dem Eingang
des Hostel Sputnik, wo ich angemeldet war.
Doch es gab kein Türschild und keine Klingel.
Als ich schließlich Hilfe bekam von einem Inder,
der mich aus dem Fenster gesehen hatte im Nachbarhaus,
und von seinen Freunden,
da hat der Mond nichts dazu getan.
Er versteckte sich im Schatten
und hatte sich noch weiter aufgeplustert
und tat wie der Vollmond, obwohl das nicht an der Zeit war.

Charkiv habe ich bei Tag auch so gesehen wie bei Zhadan in
Mesopotamien:
zwischen den Flüssen.
Zwischen der reichen, repräsentativen Oberstadt
und den Niederungen am Fluss.
Zwischen dem geregelten eindeutigen Leben
und dem Unabsehbaren, das uns bezwingt.
Ich fragte den Hotelmanager
nach seinem Literaturinteresse.
Immerhin leben in seiner Stadt etliche internationale Schriftsteller.
Ich möchte mir so ein Buch kaufen, sagte er.
Ein Macbook.

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Was wird aus den Priestern

„Was wird aus den Priestern ?
Wie Vieh weiden sie ihre Gemeinden,
treiben sie auf smaragdgrüne Weiden, sehen zu,
wie sie behäbig im Flussschlick lagern
und die Junisonne fliehen.
Sie folgen ihren Gemeinden, verjagen sie aus fremdem
Korn, führen sie heim, dahin, wo
am Abend die Feuer auf den Höfen entzündet werden.
Schlafen auf Säcken und Büchern, lauschen auf den Atem der Tiere im Schlaf
und träumen von den Gesichtern der Frauen, die gekommen sind,
die intimsten Sünden zu beichten,
sich Rat zu holen und auf Vergebung zu warten.
Was kann er dir raten ?
Sein Leben lang weidet er das Echo
und sucht nach Weidegründen und Schlafplätzen unterm schwarzen Himmel.
Du kannst mit ihm singen, kannst
neben ihm schlafen, einen Soldatenmantel als Decke,
kannst deine nasse Kleidung ans Feuer hängen,
im Fluss deine Hemden waschen,
die er in der Kirche aufspannt wie Grabtücher.
Was wird aus den Atheisten ?
Sie sagen – eigentlich glaube ich, ich glaube an alles, was
gesagt ist, aber nie und nimmer, unter keinen Umständen, keinesfalls werde ich mich dazu bekennen, denn das ist meine Sache,
sie geht nur mich etwas an. Und wenn er mir hundert Mal
böse ist, mir droht, sich ärgert und abwendet an seinem Kreuz da,
was will er ohne mich ? Was macht er allein ?
Er muss um meine Gegenwart kämpfen,
um meine Rettung ringen,
mit meinen Zweifeln, meinem Wankelmut,
meiner Offenheit rechnen.
Was wird aus dir ? Du kannst mit uns singen,
in unseren Kreis kommen, uns die Hand auf die Schulterlegen :
wir sind eins im Glauben,
eins in der Liebe,
eins in der Einsamkeit,
eins in der Enttäuschung.“

Auszug aus: Serhij Zhadan. „Mesopotamien.“



Ein paar Eindrücke zum Gebet der Menschen und ihrer Beziehung zu den Priestern,
aus dem vor wenigen Jahren völlig neu errichteten Michaelskloster, von dem aus die Russen 988 hinunter in den Dnipro gestiegen sind, um sich taufen zu lassen:

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Freitag, 11. August 2017

Ismael und Bogdan

Gestern erschien Ismael, ein junger Mann aus Ankara Anfang Dreißig, mit ernstem Gesicht. Er habe sich von seiner ukrainischen Freundin getrennt, nach neun Jahren. Vergangene Woche hätten sie heiraten wollen, daraus sei nichts geworden. Nun hätten sie zehn Tage diskutiert und gestritten und einen Ausweg gesucht, aber sie hätten es abgebrochen. Der Hauptgrund wäre ihre Familie, die ihn nicht als Schwiegersohn akzeptierten. Viele Jahre hätten sie nicht einmal mit ihm geredet. Und seine Freundin würde es nicht ertragen, seinetwegen mit ihrer Familie und ihrer Heimat zu brechen. Ismaels Stimme ist brüchig, er unterbricht einige Male und blickt zur Seite.
Nun will Ismael erstmals Urlaub machen in der Ukraine und unabhängig und selbständig das Land mit neuen Augen sehen. Als Reisender.

Bogdan ist mir als Fotograph aufgefallen am Karl Marx-Prospekt. Wir waren sofort im Gespräch, und zwar auf Deutsch. Bogdan stammt aus Donjezk. Seine Familie sei weggegangen wegen der Perspektivenlosigkeit im umkämpften Gebiet. Zum Donbass sagt er: Die ukrainische Regierung sei selbst schuld an den Problemen. Er sei kein Russe und wolle, dass der Donbass bei der Ukraine bleibt. Aber man habe zu lange der Krise der Schwerindustrie untätig zugesehen. Andere Länder hätten Reformen schon in den Achzigerjahren beginnen. Hierzulande wären höchstens Fabriken stillgelegt worden, ohne Alternativen zu suchen. Das ganze Gebiet lebt vom Bergbau von Eisen und Kohle sowie von der Stahlerzeugung, die unrentabel wäre. Dazu hätten Arbeitslose oder Kranke keinerlei staatliche Absicherung. Die Pensionen seien lächerlich klein.
Und als dann die russische Armee auf der Krim aufgetaucht ist, habe die nach der Vertreibung von Janukowitsch wackelige neue ukrainische Regierung nichts unternommen, und ebensowenig im Donbass. Erst als die Kämpfer Positionen gehabt hätten, aus denen sie kaum mehr zu vertreiben seien, wäre die ukrainische Armee im Donbass erschienen. Dieses Desinteresse der Regierung an den Gebieten würde zusätzlich Bewohner in die Arme Russlands treiben. Dabei wusste Bogdan, dass es in Russland um nichts besser wäre. Er hat selbst Verwandte dort. Dieselbe Stahlkrise, dieselbe Perspektivenlosigkeit.
Seine Familie sei nach Dnjepro gekommen, weil die Firma seines Vaters hier auch eine Niederlassung hätte. Aber die Leute aus dem Donbass würden in der Ukraine verachtet. Sie gälten als Abtrünnige, man vermietet an sie keine Wohnungen. Ausländer im eigenen Land, sie, die sich gegen Russland und für die Ukraine entschieden hätten.

Bogdan war in Deutschland, hat mehrere Städte gesehen, interessiert sich auch für Österreich, für Architekturgeschichte und Urbanistik. Er freut sich, von mir zu hören, dass ich das fröhliche öffentliche Leben der ukrainischen Städte lobe, den starken öffentlichen Nahverkehr, die vielen Gehsteiglokale und nahen Einkaufsmöglichkeiten. Die ungezwungene entspannte öffentliche Präsenz junger Leute. Entgegen dem extremen Individualismus in Mitteleuropa.
Aber Möglichkeiten für sich selbst sieht der ausgebildete Volkswirt in diesen Ländern nicht. Er begann Chinesisch zu lernen und will sich in Shanghai niederlassen. Dort gäbe es Zukunftsaussichten.

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Donnerstag, 10. August 2017

Museum jüdischer Geschichte in Dnjpr

- Ein Film vom Warschauer Ghetto, als Beispiel für jüdischen Widerstand gegen die Vernichtungspolitik der Nazis. Man konnte sehen, wie Juden mit der Schiebetruhe auf der Straße verhungerte Juden einsammelten wie Fleischstücke und sie auf die Deponie brachten.
- Ein anderer Teil zeigte die Deportationen. Familien strömten zum Bahnhof mit Koffern, Kinder winkten begeistert aus Fenstern der Waggons.
- In der Ukraine gab es (wenn ich richtig verstanden habe) keine Konzentrationslager und keine Vergasung und Verbrennung von Leichen. Sondern die Juden wurden erschossen und in Gruben geworfen. Wir sahen solche Gruben mit Kinderspielsachen, Schuhen und Kleidungsstücken, und wie Schnee und Lehm drübergeschaufelt wurde.
- Unser Führer sagte, in der Ukraine verschwand das Kosakentum im 19. Jht, in Russland bestand es auch im 20. Jht.
- Er wusste von der Tragödie der Kosaken in Kärnten, er hätte darüber seine Dissertation geschrieben.
- Es gab Progrome gegen Juden in der Ukraine bereits im 19. Jht. Wir sahen Beispiele, wo sich jüdische Persönlichkeiten bei Tribunalen gegen Vorwürfe verteidigen mussten, sie hätten Christen geschlachtet und ihr Blut getrunken. Sie standen allein Richtern und Staatsanwälten gegenüber und hatten hinter sich einen Saal feindlich eingestellter Mitbürger.
- Stalin verfolgte nicht die Juden, sondern die Religion. Und zwar jede. Die Verklärungskirche wurde zu einem Zentrum für Atheismus gemacht.
- Stalin ermordete 5 1/2 Millionen Menschen in der Ukraine durch eine geplante Hungersnot.
- „Schmerzen dürfen nie nur Schmerzen der anderen sein“

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Mittwoch, 9. August 2017

Zaporizhzhya Bahnhof

Schon in Odessa ist mir aufgefallen, dass aus dem Bahnhofsgebäude ständig ein Fiepton kommt, immer im gleichen Rhythmus. Offenbar zur Orientierung von Blinden.

Ich trete auf eine Gruppe von drei Eisenbahnbeamten und -Beamtinnen und einen Soldaten hin und frage mit der Karte in der Hand, wo mein Zug abfährt. Die drei Eisenbahner verschwinden augenblicklich und wortlos, der Soldat schickt mich in die Halle zurück, ich soll den Plan lesen.

Wenn ein Zug abfährt, ertönt aus Lautsprechern Marschmusik. Ich bin schon mit Marschmusik empfangen worden in dieser Stadt.

Neben mir auf der Bank sitzt eine junge Frau, isst Gebäck aus der Schachtel und trinkt Bier aus der Flasche. Sie trägt ein rotes, langes Sommerkleid und Sandalen.

Niemand wirft etwas zu Boden. Selbst das kleinste Papierl trägt man zum Papierkorb. Sogar Zigarettenstummel, nachdem sie irgendwie am Rand ausgedrückt werden.

Der Busfahrer wird von jedem Fahrgast mit vier Grina bezahlt, gleich beim Einsteigen oder während der Fahrt. Er gibt dann jedem das Wechselgeld genau heraus, während der Fahrt. Auch wenn du mit einem Hunderter bezahlst. Die Maschrutka fasst etwa 20 Fahrgäste. Der Passagier reicht aus der letzten Bank das Geld bis zum Fahrer weiter, und dieser wieder das Wechselgeld zurück. Die Hitze ist besonders beim Stehen unerträglich, wenn sich die Fahrgäste am schmalen Gang zwischen den Sitzplätzen aneinander vorbeischieben. Deshab hält der Fahrer so kurz wie möglich und fährt sofort an, wenn der letzte Zusteigende zumindest einen Fuß im Wagen aufgesetzt hat. Die Tür schließt er mit einem an der Schnalle angebundenen Riemen. Bis zur nächsten Kreuzung oder Haltestelle erreicht er Höchstgeschwindigkeiten. Tatsächlich fahren immer mehrere Maschrutkas mit verschiedenen Nummern überlappend dieselbe Strecke ab. Deshalb ist wichtig, wer zuerst und in welcher Position die Haltestelle erreicht, um genügend Fahrgäste zu erreichen und wieder gut wegzukommen. Von der Fahrgeschwindigkeit ist die Kühlung im Wagen abhängig.

Eine Taube torkelt vor meiner Sitzbank umher und pickt nach Steinchen. Sie ist weiß, mit hellbraunen Flecken, die Flügelspitzen sind leicht geschwärzt. An einem Bein hängt etwas wie ein grünes Bastband. Manchmal steigt sie mit dem anderen Fuß auf das Band und stolpert. Als ich lache, fliegt sie wortlos weg.

Ein alter Mann kommt verspätet zum Zug, der schon anfährt. Die Türen stehen alle noch offen, überall von einer Schaffnerin bewacht. Sie lässt ihn nicht hinein, er müsste über hohe Stufen klettern, fast zwei Meter, der Zug rollt bereits. Eine Tochter kommt schreiend gerannt, der Mann klammert sich an die offene Tür. Dann versuchen sie es beim nächsten Wagen, der Zug hat Fahrt aufgenommen. Innen kommt die Frau dazu und brüllt auf die Schaffnerin ein und drischt mit der Handtasche. Diese plärrt kreischend zurück und versucht die Tür zu verriegeln, wozu sie einen Balken umlegen muss, aber sie hat keinen Platz dafür. Draußen schreit der Mann dazu und trommelt gegen die Tür.
Am Bahnsteig sehen die Leute betroffen und entsetzt zu. Sie haben entweder eine Familientrennung gesehen oder einen abgewendeten Unfall mit Todesfolge.

Aus dem Bahnhofsrestaurant klingen leise Hits aus den Siebzigerjahren. Its a beautiful day, höre ich gerade.

Kurz bevor mein Zug kommt, spricht mich ein junger Mann an und fragt mich etwas. Es stellt sich heraus, dass wir beide Ausländer sind und mit demselben Zug nach Dnjepr fahren. Bloß steht auf unseren Tickets eine verschiedene Zugnummer. Wir stellen uns vor dem Schalter an, doch die Leute vor uns diskutieren zu lange. Der Zug fährt bereits ein, wir stürmen zum letzten Gleis und zeigen die Tickets der Schaffnerin, die uns zum richtigen Wagen in die falsche Richtung schickt. Während der drei Minuten Aufenthalt laufen wir den halben Zug ab. Als wir dann beim richtigen Wagen sind und hineinklettern, da nimmt uns die Schaffnerin die Karten aus der Hand. Von mir erhält sie den Computerausdruck, den ich bei Bezahlung ausgedruckt habe, und weist ihn zurück. Ich sollte ihn bei der Kassa gegen ein richtiges Ticket eintauschen. Ich verstehe alles, verweigere aber, dem nachzukommen und wieder auszusteigen und gehe stattdessen ins Wageninnere vor. Zu meinem Entsetzen ist es ein Wagen mit offenen Abteilen, in dem Menschen familienweise oder clanweise zusammensitzen. Als ich schweißgebadet das letzte Abteil erreiche, beobachten mich belustigt etwa 20 Menschen, bis ich endlich meinen nummerierten Platz gefunden habe. Ich sehe, dass alle Männer den Oberkörper entblößt haben, und zwänge mich aus dem klebrigen Shirt, worauf überall Lachen ausbricht. Ich spüre den Schweiß auf allen Seiten an mir herunterrinnen wie beim Duschen das Wasser. Am Plastiksitz klebt man fest, egal ob mit der Short oder mit den Oberschenkeln. Etwa eine halbe Stunde ringe ich um die Position, bis sich das Mädchen, das mir gegenübersitzt, und das ich für 14 halte, als englischsprechend verrät. Es beginnt eine vorsichtige Kommunikation, bei der sich herausstellt, dass die Familie von einer Ferienwoche zurückkehrt, dass sie 18 ist und ein technisches Collage besucht, aber in der Volksschule Englisch gelernt hat. Nun benutzt die Familie sie, um etwas über mich herauszubringen. Zum Schluss sind sie begeistert, Mutters Kindheitserinnerungen an Deutsch ausgraben zu können, was sie sogleich vorführt, und das begann:
Mein Bruder ist ein Traktor

Zaporizhzhya

Als ich den Lenin-Prospekt entlangtrabte mit vollem Gepäck, um 6 Uhr Früh, als mein Zug angekommen war, da erschien mir die Stadt grau, staubig und trostlos. Mein mutmaßliches Hotel lag fast am anderen Ende des 10 km langen stalinistischen Boulevards, dessen Gehsteig schon so breit ist wie bei uns eine mehrspurige Straße. Taxifahrern zu mißtrauen habe ich immer neue Gründe, und in volle Busse zu steigen, ohne zu wissen, wohin sie fahren und sich auf fremdsprachige Auskünfte zu verlassen erschien mir auch nicht ratsam.
Was soll das für eine Stadt sein, wo du für einen Häuserblock oder für zwei Hausnummern eine Viertelstunde brauchst. Meine Beobachtungen der dämmernden, aber endlosen Stadt waren aber nicht unvoreingenommen.

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Als ich am Abend aus der entgegengesetzten Richtung zurückkehrte, nach einem Wanderausflug auf die äußerste Spitze der Insel Chortyzja, wo angeblich das wunderbare Kosakenmuseum sei, das aber wegen Umbaus geschlossen war (wie übrigens auch das gepriesen günstige Hotel Dnjepr), wie ich erst dort erfuhr, und ich mit dem für einen Film nachgebauten Kosakendorf vorlieb nehmen musste, da legte ich am Rückweg noch ein Bad im Dnjepr ein.
Und dann, erfrischt und abendkühler, waren die Straßen und Parks auf einmal lebendig geworden. Überall flanierten junge Pärchen (wo sind die übrigens bei uns? gibt es überhaupt Jugendliche in Österreichs Städten?), stehen Männer in Gruppen und plaudern, gehen Frauen zu zweit tratschend, sitzen Pensionisten auf der Parkbank. Eine gelöste, fröhliche Stimmung.
Als ich doch einmal nach dem weg fragen musste, bekam ich sofort fröhlich die richtige Auskunft.
(In der Früh hatte ich noch gezweifelt, dass Bewohner dieser Botonstadt überhaupt lachen)
Eine unaufgeregte Lebendigkeit.
Menschen sind offenbar doch stärker als Kohle, Stahl und Beton.
Zumindest in der Ukraine

Die Sich von Zaporizhzhya

Die berühmteste Kosakenniederlassung war am Unterlauf des Dniepr, kurz nach den Stromschnellen. Dort war das größte und vielleicht wildeste Hetmanat, und wie sich das Leben dort und rundherum abgespielt hat, ist bei Gogol nachzulesen: Tara Bulba.

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Montag, 7. August 2017

Wiener Würstelstand in Odessa

Wenn man von einer anstrengenden Tagestour verschwitzt, hungrig und müde heimkommt und man sich schon ausrechnen kann, dass die bevorzugten Lokale gegen Mitternacht nichts mehr zum Essen anbieten - was macht man da?
Richtig, man geht zum Wüstelstand.
In Odessa: Zum Kebab.
Nicht türkisch, sondern arabisch.
Nicht Döner, sondern Schish.
Aber dieselben Leute.
Ein Mann mit starken Brillen und verrutschtem Hemd, der den Kebab in sich hineinstopft, als ginge es um Zeit. Am Stehtisch.
Und dann brav das Papier zerknüllt und drüben in den Abfallkorb wirft, und nochmals zurückgeht und die zu Boden gefallenen Servietten aufhebt und gewissenhaft entsorgt.
Ein groß gewachsener bulliger junger Mann mit kahlem Kopf, der um den kleinen spritzigen Inhaber herumscharwenzelt und auf ihn einredet. Und dann devot auf seine Antwort wartet.
Seine Freundin, die aussieht wie ein Schulmädchen, zwei Kopf kleiner als er, und den Mund nicht öffnet.
Die Kellnerin, größer als der Inhaber und blond, die nach meiner Bestellung (auf Englisch) beiseitetritt, damit der Inhaber selbst das Geschäft entgegennimmt.
Dann tauchen nacheinander einige Bekannte auf, die Nachrichten oder Grüße an den Inhaber vermitteln.
Zwei jugendliche Pärchen, die etwas wollen, das anscheinend nicht erfüllbar ist, worüber lange diskutiert werden muss. Dazu treten aus dem Dunkel nach und nach einige Freunde heran und werfen etwas ein.
Dann tritt der Araber aufs Trottoir und beginnt, ausgiebig zu telefonieren. Wer Arabisch versteht, kann alles mithören. Er tritt zu seinem in der Nähe geparkten weißen Kleinwagen, öffnet den Kofferraum, und kramt nach etwas.
Dann sucht er die Zutaten zu meinem Kebab zusammen und stopft sie nacheinander in die Rolle. Beim Essen frage ich mich, ob es klug war, alles zu bestellen, das Ketchup tropft heraus und die Salzgurken dominieren die ganze Komposition.
Und es gibt kein Bier beim Araber.

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